Angedacht

Ich gehe durch das Neubaugebiet spazieren. Hier sind die Fassaden noch strahlend weiß und die Dachziegel kräftig rot. Dazwischen liegen noch ein paar leere Grundstücke mit üppigem Pflanzenwuchs und riesigen Wasserpfützen. Das interessiert erst, wenn ein Käufer gefunden wird. Ich gehe weiter und sehe diesen einen Wasserhydranten. Witzig! Der ist mir noch nie aufgefallen. Als ich näher komme entdecke ich nämlich ein Schild das dort angebracht ist. Auf dem Steht: „Außer Betrieb“. Wenn es brennt, ist ein Hydrant ja lebensnotwendig. Er spendet das nötige Löschwasser, um die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Deshalb darf ein Hydrant nie mit einem Auto zugeparkt wer­den. Das gibt ordentliche Strafzettel! Jeder Hydrant ist unterirdisch an eine Wasserlei­tung angeschlossen, die unendlich Wasser liefern soll. Ein Hydrant außer Betrieb ist sinnlos. Sinnlos bedeutet: Egal, ob es da ist oder nicht, es interessiert einfach keinen. Sinnlos ist: Du sagst etwas und keinen in­teressiert es.

Dieser Hydrant ist genau das, was wir manchmal auch mit Gott erleben: Gott ist außer Betrieb. Er ist schon da, aber irgend­wie tut sich da nichts. Egal ob ich bete – es interessiert ihn scheinbar nicht. Solche Zei­ten kennt doch jeder – damals und heu­te. Es erinnert mich an eine Bibelstelle in Jesaja 40,27-31: „… warum behauptet ihr: „Der Herr weiß nicht, wie es uns geht! Es macht unserem Gott nichts aus, wenn wir Unrecht leiden müssen.“? Begreift ihr denn nicht? Oder habt ihr es nie gehört? Der Herr ist der ewige Gott. Er ist der Schöp­fer der Erde – auch die entferntesten Länder hat er gemacht. Er wird weder müde noch kraftlos. Seine Weisheit ist unendlich tief. Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Men­schen ermüden und werden kraftlos, starke Männer stolpern und brechen zusammen. Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.“

Mag das Schild für den Hydranten passend sein. Für Gott gilt das nicht!

 

Jörg Seitz, Pastor

 


 

Vor ein paar Monaten fuhr ich auf der A9 von Süden kommend, Richtung Nürnberg. Mich beschäftige stark ein Thema wo mir einfach nicht ganz sicher war, ob Jesus das auch im Griff hat. Ich war mir wirklich nicht sicher! In meinem Zwiegespräch mit Gott, tauchte plötzlich ein Lastwagen vor mir auf und da staunte ich nicht schlecht, als ich auf dessen Rückseite in großen roten Buchstaben SEITZ las.

Das war für mich Gottes Antwort: „Jörg, ich sehe dich, folge mir einfach nach!“
Rückblende: 1985 bin ich von Eckental nach Marburg gezogen um im „Theologischen Seminar Tabor“ als Pastor ausgebildet zu werden. Krankenhauspraktikum in Oberhausen und Gemeindetätigkeit in Duisburg waren der praktische Teil des Studiums. Während der zwei Jahre in Köln lernte ich in der „Philippus-Kirchengemeinde“ Landeskirche und im dortigen CVJM – den „großen Bruder“ vom EC – kennen. Jung verheiratet ging es 1991 weiter ins fränkischen Gunzenhausen. Zwei Jahre Pastor der LKG Gunzenhausen und dann Jugendpastor im EC-Bayern. 2004 kam die Berufung als Gemeindegründungspastor nach Ingolstadt zu ziehen.
Rückblickend liest das nach einem relativ geschmeidigen und abwechslungsreichen Lebenslauf. Was in so einem Dokument aber nicht auftaucht, sind die Zeiten dazwischen mit den Fragen: „Jesus, wie geht es weiter? Hast du auch wirklich alles im Griff? Wie ist der Zeitplan? Denkst du auch an meine Frau und unsere drei Kinder?“ Vielleicht sind diese Zwischenzeiten aber ausgezeichnete, geistliche Wachstumsphasen, die das Vertrauen zu unserem Gott neu verankern. Vielleicht… und hoffentlich! Wer kennt das nicht?

Und da fahre ich neulich also auf der A9 und erlebe mich plötzlich, wie ich hinter meinem Namen herfahre. Kilometerlang, mit 80 km/h. Das war wieder der Moment, wo ich mein Leben neu in Gottes Hand legte und ihm mein Vertrauen aussprach. Ein paar Tage später klingelte bei mir das Telefon. Der Anrufer stellte mir eine wirklich erstaunliche Frage, nämlich: „Kannst du dir vorstellen Pastor in unserer Gemeinde, der LKG-Eschenau, zu werden.“ Zwei Gedanken schossen mir dabei ziemlich schnell durch den Kopf:

1. Der kommt ja mal echt schnell zur Sache.
2. Wenn ich mich da hineindenke, erlebe ich einen tiefen geistlichen Frieden…

… bis heute. Also: Danke für euer Vertrauen und euren Mut! Jetzt sitzen wir also zusammen in einem Fahrzeug. Da gibt es Sitz- und Stehplätze. Jetzt stelle ich mir vor, wie wir nach vorne blicken und einen Lastwagen vor uns sehen. Auf dessen hinterer Plane mit großen Buchstaben zu lesen ist: LKG-ESCHENAU

Kann einer sagen was er will, aber es stimmt einfach: Du bist ein Gott, der mich sieht“ (1. Mose 16,13).

Jörg Seitz